Categories Familienleben, Leben mit Baby, Partnerschaft mit Kind

„Sei froh, dass sie so viel schläft!“

Posted on
„Sei froh, dass sie so viel schläft!“

Ich weiß, Eltern sollen ihre kleinen Schützlinge nicht mit denen Anderer vergleichen. Besonders bei einem Frühchen, wie wir eines haben, ist es nicht mit Gleichaltrigen auf eine Stufe zu stellen.

Und trotzdem passiert es.
Erst neulich unterhielt ich mich mit einer Mama, deren Sohn zwei Tage jünger ist als unser Krümelchen. Freudig berichtete sie mir darüber, dass er Morgens nun immer viel lacht. Dass er schon versucht, nach seinem Spielzeug zu greifen. Dass er tagsüber fast nur noch wach ist. Dann lächle ich, weil ich mich für sie freue und es schön finde, dass er sich so gut entwickelt. Aber ganz ehrlich? Ein kleiner Teil von mir, den ich so gut es geht verdränge, ist neidisch.

Eltern eines Frühchen müssen besonders geduldig sein. Das sagte mir jeder – die Ärzte und Schwestern im Krankenhaus, die Hebamme, die Physiotherapeutin, der Kinderarzt. „Bei der Entwicklung eines zu früh geborenen Baby’s muss immer vom ursprünglich errechneten Entbindungstermin ausgegangen werden.“
Was heißt das? Unsere Tochter ist heute genau 2 Monate und 5 Tage alt. Doch eigentlich wäre der errechnete Entbindungstermin deutlich später gewesen. Geht man nach diesem Datum, ist sie also erst 2 Wochen und einen Tag alt.

Babys können mit 2 Wochen natürlich noch nicht lächeln. Oder gezielter greifen. Sie schlafen mehr, als sie wach sind. Blickkontakt wird, wenn überhaupt nur für kurze Zeit hergestellt. Das ist für dieses Alter völlig normal. Und für unsere Tochter, 2 Monate alt, ist es auch normal. Das zu akzeptieren ist aber eben manchmal schwer. Wie sehr würde ich mich über ein Lächeln freuen! 

Darüber spreche ich eigentlich mit kaum einer Person, da dann immer alle abwinken. „Sei froh, dass sie noch so viel schläft! Wenn sie den ganzen Tag wach ist, kommst du erst recht zu nichts mehr!“ Aber mal im Ernst; auch wenn ich weiß, dass längere Wachphasen auch mehr Anstrengung  und noch weniger Zeit für Haushalt, schreiben & Co bedeuten, so würde ich mich doch sehr darüber freuen. Mit der eigenen Tochter mehr interagieren, sie mit albernen Grimassen und lustigen Liedern zum lachen bringen. Zu sehen, wie sie beginnt, ihre Umwelt immer weiter kennenzulernen & wie sie nach Dingen greift… oh ja, das würde mich so so glücklich machen.

Natürlich liebe ich unser Krümelchen so, wie sie ist. Und ich genieße es auch sehr, wenn sie für zwei Stunden (manchmal sogar mehr) ruhig und seelig in Bauchlage auf meiner Brust schläft. Dieses Kind ist für uns nicht selbstverständlich, nein – sie ist unser kleines, perfektes Wunder. Unsere Kämpferin, die den schwierigen Start ins Leben so großartig gemeistert hat. Ein wundervolles Mädchen. Bestimmt stellt sie schon bald unser Leben noch mehr auf den Kopf. Und darauf freue ich mich. Und übe mich in Geduld.