Categories Familienleben, Leben mit Baby

Ich stille nicht – Ein Eingeständnis

Posted on
Ich stille nicht – Ein Eingeständnis

Stillen ist das Beste für’s Kind. Muttermilch hat die perfekte Zusammensetzung, ist optimal auf das Kind abgestimmt. Sie verringert das Risiko, an Allergien zu erkranken und stärkt das Immunsystem. Das Risiko, dass das Kind am plötzlichen Kindstod verstirbt, ist bei Stillkindern geringer, als bei Flaschenbabys. Die Nähe beim Stillen unterstützt das Bonding. Muttermilch ist kostenlos und hat immer die passende Temperatur. Muttermilch … Stillen …

Das alles, was da oben steht, weiß ich. Und trotzdem stille ich nicht. Aber … warum?

Die Antwort ist ganz einfach: Ich kann es nicht. Wir haben es versucht. Eine Zeit lang. Eine Zeit, in welcher ich ständig in Tränen ausbrach, weil ich beim abpumpen wieder nur ein paar mickrige Milliliter herausbekommen habe. Oder weil mein Baby, dem ich nur das beste bieten möchte, von den drei Tropfen Muttermilch nicht satt wurde und wie am Spieß schrie, weil es Hunger hatte. Ich habe Bockshornklee-Kapseln geschluckt, Malzbier und Stilltee getrunken, meine Brüste tapen lassen, auf meine Ernährung und genug zu Trinken geachtet … und trotzdem wurde es nicht mehr.

Irgendwann erreichte ich den Punkt, an dem ich nicht mehr so weitermachen wollte.

Ich wollte nicht mehr ständig weinen, weil mich das Ganze so deprimierte. Oder schlechte Laune bekommen, weil ich beim abpumpen nach 10 Minuten nur diese geringe Menge Muttermilch in der Flasche sah. Meine schreiende Tochter an die Brust legen, obwohl ich wusste, dass sie kaum etwas herausbekommen & darum trotzdem noch eine Flasche brauchen würde. Darum entschied ich mich, aufzuhören. Natürlich hielt ich dazu Rücksprache mit meiner Hebamme. Dieser bin ich sehr dankbar, dass sie mit mir zusammen drum gekämpft hat, dass es klappt – und mich dann aber auch beim abstillen unterstützte.

Und nun?

Nun gibt es eine Milch, angemischt aus abgekochtem Wasser und Milchpulver. Und so schlimm ist es gar nicht. Natürlich würde ich auch jetzt viel lieber voll stillen; nicht nur wegen der oben genannten Vorteile. Sondern auch, weil es komfortabler ist. Aber ich habe es jetzt akzeptiert und mache das Beste draus. Nur unterwegs bin ich noch immer genervt von dem Aufwand. Andere Mütter können sich einfach an einen ruhigen Ort zurückziehen und in Ruhe stillen, wenn ihr Baby Hunger hat. Bei uns ist jedoch mehr zu tun. Die Milch muss angemischt und aufgewärmt bzw. abgekühlt werden. Das dauert eine Weile und bedarf einiger Utensilien. Bis jetzt habe ich immer an alles gedacht, doch ich fürchte mich jetzt schon vor dem Tag, an dem ich z.B. den Sauger Zuhause vergesse.

Man sollte aber nicht nur die Nachteile sehen – sondern auch die Vorteile

Beispielsweise kann auch mein Partner unserem Krümelchen mal die Flasche geben. Und ich kann ganz genau sehen, wieviel sie zu sich nimmt, was man an der Brust ja nun nicht so genau nachvollziehen kann. Ich kann auch mal für einige Zeit das Haus verlassen, insofern natürlich jemand anderes auf die Kleine aufpasst. (Aber das ist leichter gesagt, als getan – als ich das erste Mal zur Nachsorge zu meiner Frauenärztin gefahren bin und mein Freund frei hatte, habe ich sie auch daheim gelassen. Die ganze Zeit über machte ich mir jedoch Gedanken, ob das richtig war und die Arzthelferinnen, so bildete ich mir ein, schauten auch ein wenig komisch …)

Was wäre wenn …?

Immer noch gibt es Tage, an denen ich mich frage, ob ich stillen würde, wenn ich eine andere Geburt gehabt hätte. Eine, die nicht so plötzlich und unerwartet vonstatten gegangen wäre. Eine natürliche Geburt, kein Kaiserschnitt. Eine regelrechte, und keine viel zu frühe, Geburt.
Doch all das Grübeln nutzt nichts. Unser Krümel nimmt gut zu, wächst und gedeiht. Ihr Magen hat sich an die Pre-Milch gewöhnt und die anfänglichen Bauchschmerzen sind verflogen. Zeit, zu akzeptieren, dass es so ist, wie es ist. Ich liebe meine Tochter nicht weniger deswegen und ihr geht es im Grunde nicht schlecht damit.

An alle Mamis, die auch nicht stillen können – macht euch keine Gedanken. Betrachtet auch die Vorteile dieser Situation und erinnert euch daran: Ihr seid nicht alleine und nicht die Einzigen, denen es so ergeht.  Sicher habt ihr alles versucht. Eure Kinder werden trotzdem groß und stark, ob nun mit wenig, oder keiner Muttermilch <3