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„Wir müssen den Kaiserschnitt jetzt machen!“ – Ein Geburtsbericht

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„Wir müssen den Kaiserschnitt jetzt machen!“ – Ein Geburtsbericht

Am 05.02.2018, um ca. 01:30 Uhr, weckte ich meinen Lebensgefährten. Den ganzen Sonntag Nachmittag quälte ich mich schon mit Unterleibskrämpfen (Diese verfluchten Wachstumsschmerzen! dachte ich mir und stempelte diese als ‚harmlos‘ ab).
Doch dann, als es in der Nacht schlimmer und häufiger wurde, überkam mich doch der Gedanke: Was, wenn das Wehen sind? Also rüttelte ich meinen Freund, nach langem ringen mit mir selbst, wach und sagte: Irgendwas stimmt hier nicht. Wir müssen los!
Nach einem kurzen Moment, in welchem sich mein Freund erst einmal sortieren musste, liefen wir zum Auto. Gott sei Dank dachte er daran, meine Geburtstasche mitzunehmen; ich hatte daran keinen Gedanken verschwendet. Denn noch immer dachte ich mir: Das ist sicher nur falscher Alarm. 

Doch es war definitiv kein falscher Alarm

Im Krankenhaus schrieb man ein CTG und ich wurde untersucht. Heraus kam: Mein Gebärmutterhals (welcher im Normalfall ca. 4 cm lang ist) war drastisch verkürzt. Nämlich bis auf 4 mm. Als ich das hörte, wurde mir fast schlecht. Keine 1 1/2 Wochen zuvor war ich doch zur Kontrolle bei der Frauenärztin gewesen und hatte sehr gute Werte! (Tja, so schnell kann’s gehen…)
Ab diesem Zeitpunkt wurde es mir von ärztlicher Seite untersagt, aufzustehen. Ich bekam eine Tokolyse, also einen Tropf, welcher weitere Wehentätigkeit verhindern sollte, dazu noch ein starkes Antibiotikum, da die Verkürzung des Gebärmutterhalses wohl auf eine Infektion zurückzuführen war. Außerdem musste ich Magnesium einnehmen, was ebenfalls krampflösend wirkte. (Soviel zum Thema: In der Schwangerschaft sollte man auf Medikamente verzichten…). Zu guter Letzt bekam ich dann 2 Spritzen im Abstand von 24 Stunden, welche zur Lungenreife unseres kleinen Bauchzwergs gedacht war. Denn in der Schwangerschaftswoche, in welcher ich mich befand, musste davon ausgegangen werden, dass unsere Tochter noch keine voll ausgebildeten Lungen hatte.

„Jeder Tag ist ein Gewinn!“

Diesen Satz hörte ich von nun an jeden Tag mindestens 2 mal. Die Ärzte und Hebammen im Krankenhaus kämpften mit mir gemeinsam darum, die Schwangerschaft so lange wie möglich zu erhalten. Geplant war, mindestens die 34. Schwangerschaftswoche zu vollenden, da ein Baby dann als so weit ‚ausgewachsen‘ galt, dass es allein außerhalb des Mutterleibes überleben konnte. Doch bis dahin lagen noch 1 1/2 Wochen vor uns.
Einige Tage dachte ich auch, dass wir es schaffen würden. Der Wehentropf schlug vorerst an, ich hatte keine Kontraktionen mehr. Zwar litt ich dadurch an einem extrem erhöhten Blutdruck und Puls; zwischenzeitlich hatte ich das Gefühl, mir würde das Herz gleich aus der Brust springen. Normale Nebenwirkungen der Tokolyse. Aber damit lebte ich – ich behielt meinen Optimismus, denn so lange es der Kleinen gut ging, sagte ich mir, war alles in Ordnung. Ich würde das schon schaffen.

„Ihr Muttermund liegt bei 4 cm. Wir müssen den Kaiserschnitt jetzt machen!“

Am 08.02.2018, um ca. 18:30 Uhr, versetzte ich, wie schon einige Tage zuvor, das Krankenhaus wieder in Aufruhr. Bereits am Vortag zeigten sich, trotz Tokolyse, wieder Wehen im CTG und die Dosis des Tropf’s wurde erhöht. Doch auch das half nicht weiter.
Mein Partner war gerade da, um mich zu besuchen, als ich der Hebamme, die nun im Dienst war, sagte, dass die Krämpfe nun wieder schmerzen würden. Etwas beunruhigt schrieb sie – mal wieder – ein CTG. Und da waren sie auch schon wieder: Wehen in regelmäßigen Abständen. Die Hebamme holte eine Ärztin. Diese untersuchte mich, setzte sich dann auf die Bettkante und sagte: Ihr Muttermund liegt bei 4 cm. Wir müssen den Kaiserschnitt jetzt machen!
Und mit einem Mal ging alles ganz schnell. Mehrere Personen kamen in mein Zimmer, ich wurde ausgezogen und in einen OP-Kittel gesteckt. Da unsere kleine Motte eine Beckenendlage war, also statt mit dem Kopf, mit dem Po nach unten lag, stand es außer Frage, dass es ein Kaiserschnitt werden würde. Also wurde ich mit meinem Krankenbett in den OP-Bereich gebracht, mein Freund lief hinterher.
Dort angekommen, setzte ich mich auf den OP-Tisch und eine Anästhesistin kam zu mir, um mir den weiteren Werdegang zu erörtern. Diese Frau war ein Engel. Mit viel Ruhe und Einfühlungsvermögen sprach sie auf mich ein, erklärte mir jeden Schritt, beruhigte mich, als ich meine Angst vor der Rückenmarksnarkose äußerte und sorgte dafür, dass mein Partner während der OP bei mir sein konnte.

„Keine Angst, das ruckeln ist ganz normal!“

Ich hatte schon viel über diese OP gelesen und mich darauf vorbereitet. Doch als ich dort auf dem Tisch lag und die Operation in vollem Gange war… Das war schon krass (mir fällt kein anderes Wort ein, was passender wäre)
An meinem Körper wurde gezogen und gezerrt, alles ruckelte. Dank der Narkose spürte ich zwar keine Schmerzen, doch trotzdem, so würde ich jetzt sagen, empfand ich etwas. Beziehungsweise merkte ich eben, dass da etwas mit mir gemacht wurde. Sehen konnte ich selbstverständlich nichts; vor meiner Nase war ein grünes Tuch gespannt.
Irgendwann flüsterte die Anästhesistin „Gleich ist es geschafft!“ und kurz darauf spürte ich, wie sich eine OP-Schwester mit aller Kraft auf meinen Oberbauch stemmte. Das war ein wirklich seltsames Gefühl! Dadurch drückte sie unsere Tochter jedoch nach unten, sodass der Operateur sie herausholen konnte.

„Wie spät ist es? Ah, 19:29 Uhr! Herzlichen Glückwunsch!“

hörte ich auf einmal und schon wurde unser Krümelchen über das grüne OP-Tuch gehalten. Jedoch sah ich sie nur für ein paar magere Sekunden – dann verschwand sie wieder hinter dem Tuch. (Rückblickend muss ich sagen, dass ich sie eigentlich gar nicht richtig gesehen hatte. Über das Tuch hatte gerade einmal ihr kleiner Kopf geragt und dazu war so noch dunkelrot-blau angelaufen.) „Wir bringen sie jetzt gleich zum Kinderarzt!“ erklärte mir die Anästhesistin und ich nickte überwältigt.  Doch kurz bevor unsere Tochter aus dem Raum gebracht worden war, schenkte sie mir noch einen ersten, lauten Schrei, welcher mich in Tränen ausbrechen ließ. Sie hatte geschrien! Obwohl sie bereits nach 33 Wochen und 2 Tagen auf die Welt gekommen war. Sie konnte atmen! Ich konnte es wirklich kaum glauben.

Dann war sie weg und mein Partner folgte ihr kurz darauf. Ich hingegen blieb, meine Wunden wurden verschlossen und dann brachte man mich auf die Überwachungs- und Aufwachstation.
Von da an sollte es noch einige Zeit dauern, bis ich mein Kind endlich zu Gesicht bekommen würde…