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Ängste in der Schwangerschaft

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Ängste in der Schwangerschaft

Schwanger zu sein bedeutet, Angst zu haben. (Natürlich nicht nur – glücklicherweise überwiegt zumeist die Freude über das, was kommen wird.) Doch durch die Informationsflut, die auf uns Schwangere herabregnet, wird uns die Angst regelrecht aufgezwungen. Wir werden verunsichert, selbst von den kleinsten Dingen. Nur: Warum lassen wir das mit uns machen?

Klarer Fall: Wir wollen alles richtig machen, dem kleinen Menschen in unserem Bauch nicht schaden, uns vorbildlich verhalten. Aber, ganz ehrlich, meine lieben Mitschwangeren: Wir sind nicht die perfekte Mama aus der bunten Zeitschrift mit den schönen Bildern und den super Tipps. Und das ist wahrscheinlich auch besser so.

Die Ängste lauern überall

Kennt ihr das? Ihr wollt schwanger werden und plötzlich seht ihr an jeder Ecke Frauen mit ihren wunderschönen Kugelbäuchen. So ähnlich geht es mir nun auch wieder; allerdings stoße ich nun ständig auf Wörter wie: Frühgeburt. Fehlgeburt. Schwangerschaftskomplikation. Geburtsstillstand. Sauerstoffmangel. Und so weiter.

Und da soll man ruhig bleiben? Ja, ich weiß, statistisch gesehen kommen deutlich mehr gesunde Kinder zur Welt, als dass es schwerwiegende Komplikationen gibt. Aber wenn man schon einmal im nahen Umfeld erlebt hat, dass etwas schief geht, lässt einen dieser Gedanke so schnell nicht mehr los. Was, wenn es mir auch so ergeht?

Ängste benennen ist nicht so leicht

Was mich überrascht hat, ist, dass meine Sorgen, vor allem vom Fachpersonal, häufig einfach beiseitegeschoben wurden.

»Ach was, über sowas machst du dir keine Gedanken!«, sagt meine Hebamme und will nichts mehr hören.

»Da dürfen Sie einfach nicht drüber nachdenken!«, sagt meine Frauenärztin und wendet sich meiner Akte zu.

Natürlich kann ich sie alle auch verstehen. Denkt man immer nur an das Schlechte, ist es nicht möglich, die Schwangerschaft zu genießen. Trotzdem bin ich der Meinung, dass es für ängstliche Mama’s eine Hilfe sein kann, darüber zu sprechen. Und wenn einem dann so über den Mund gefahren wird, ist das irgendwie … noch entmutigender.

Also sprach ich nicht mit ihnen, sondern mit meinen Freundinnen. Mit meinem Partner. Mit meiner Familie. Und siehe da: Ich fühlte mich besser, auch wenn mir natürlich niemand diese Ängste gänzlich nehmen konnte. Doch allein die Tatsache, dass mir zugehört und Verständnis entgegengebracht wurde, half sehr.

Schwangerschaft & Internet: Das Geschäft mit der Unsicherheit

Und neben all den negativen Berichten in Zeitschriften oder im Fernsehen gibt es da noch etwas, was die Angst nur zu gern schürt: Dieses vermaledeite Internet.

Da fast jeder Mensch uneingeschränkten Zugang dazu hat, werden besonders unsichere Mama’s schnell dazu verleitet, dies zu nutzen.

Darf ich das eigentlich essen? fragt sich die Schwangere und tippt Dinge wie ›Leberwurst in Schwangerschaft‹ in die Suchmaschine ein. Was dann passiert, ist beinahe immer gleich: Übervorsichtige Mütter oder selbsternannte Schwangerschaftsexperten raten von diversen Lebensmitteln ab, weil sie irgendwann irgendwo gelesen haben, dass in dem und dem Produkt, der und der Stoff enthalten ist. Und der ist doch schädlich, oder? Dein Kind wird blind, wenn du zu viel davon isst! Lass es weg!

… und irgendwann kommt die Schwangere dann an den Punkt, an dem sie sich denkt: Eigentlich kann ich gar nichts mehr essen. Und ich sollte mich auch nicht mehr so viel bewegen. Im Badesee schwimmen? Zu gefährlich!

Darf ich das?
Sollte ich das tun?
Schade ich damit nicht dem Baby?

Ein gesundes Mittelmaß finden

Bis zur 20. Schwangerschaftswoche habe ich mich verrückt machen lassen, dann hat es mir gereicht.
Ich hörte damit auf, alles nachzulesen und begann, auf meinen Bauch zu hören. Wenn mir der Sinn nach einem Leberwurstbrötchen steht, dann esse ich es einfach. Wenn mir im Schlaf die linke Hüfte so schmerzt, dass ich nicht mehr darauf liegen konnte, drehte ich mich auf die andere Seite (Und das, obwohl überall vor dem bösen Vena-cava-Syndrom gewarnt wird! Lieg ja nicht auf dem Rücken oder der rechten Seite, du unterbrichst die Sauer- und Nährstoffversorgung deines Kindes!).

Und siehe da: Mini-Kind und ich sind immer noch gesund und munter. 

Natürlich esse ich nach wie vor kein rohes Fleisch und achte darauf, dass Obst und Gemüse ordentlich abgewaschen sind. Auch die Katzentoilette mache ich nicht mehr sauber. Eine Erstinfektion mit Toxoplasmose in der Schwangerschaft will ich schließlich wirklich vermeiden. Ich gehe auch nicht mehr arbeiten, da mir das Risiko in der Kinderarztpraxis einfach zu hoch ist.

Doch ansonsten mache ich jetzt alles, wonach mir der Sinn steht und fühle mich seitdem sehr viel unbeschwerter. 

Also, liebe Mädels, die schwanger sind oder es werden wollen: Lasst euch nicht fertigmachen. Hört auf euren Bauch (und zwar wortwörtlich) und verbietet euch nicht alles. Vermeidet es, bei jeder Bewegung eures Kindes nachzuschlagen, ob dies oder das für die Schwangerschaftswoche normal ist (und wenn ihr doch unsicher seid, ruft eure Hebamme oder Frauenärztin an!).
Genießt diese wundervolle Zeit! Redet über eure Ängste. Installiert nicht zu viele Schwangerschaftsapps. Und vor allem: Seid glücklich. Eure kleine Motte wird es euch danken, denn sie spürt es, wenn es Mama gut geht.

Alles Liebe, 
eure Resi

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